Gewordenes und Gemachtes in einer Welt

Es bedarf immer einer Intelligenz, die Zuordnungen schafft. Auch der Zufall ergibt sich innerhalb eines Rahmens, der die Bedingungen definiert. So lange eine Lebenswelt einen Zusammenhalt besitzt, wirkt immer dieser Zusammenhalt als übergeordnete Intelligenz, sonst würden wir nicht in der EINEN Welt leben. Man kann anders formulieren: Wenn Fragmentierungen geschehen, dann ist keine zuordnende Intelligenz anwesend gewesen. Wenn keine Neuordnungen stattfinden, dann wirkt auch keine neue Zuordnungs-Intelligenz.

Die westliche Kultur ist nicht grundsätzlich besorgt um den Zusammenhalt der Welt an sich, weil sie von kosmischen Dimensionen, milliardenlangen Entwicklungszyklen ausgeht, die auch als Problemlösungspotential für unsere Gegenwartswelt erwartet werden. Das naturwissenschaftliche Weltbild beschreibt in der politisch korrekten Lesart beruhigend ein grundsätzliches Gemeinschaftsbildungspotential, eine universelle Zuordnungskompetenz des Kosmos, die immer wieder Neuanfänge geschaffen hat und schaffen wird.

In den Endzeitvisionen der drei monotheistischen Religionen geraten nicht die materiellen Bestandteile des menschlichen Lebens, sondern der fragmentierte Geist des Menschen in das Abseits des Zuordnungshorizonts. Der menschliche Geist wird als korrumpiert beschrieben. Das bedeutet, dass er sich jenseits einer Qualität befindet, die ihn zurück in eine universelle Gemeinschaft finden ließe. Das beschreibt die Gegenwart des Menschen als eine Endzeit. Die Gemeinschaft, die dem Menschen aus sich selbst heraus zugänglich ist, befindet sich unterhalb des Universellen, und so sind die Erzeugnisse seines Geistes und der menschliche Geist selber grundsätzlich Fragmente.

Im ethischen Selbstbefragungshorizont impliziert die Untersuchung des Verhältnisses von Gewordenem zu Gemachtem, z.B in der Reproduktionsbiologie, geradezu eine höhere Ordnung, in der beide Sphären als universelle Zuordnungsintelligenz verknüpft sind und die uns mit unserem menschlichen Tun verloren gegangen ist oder noch weiter verloren gehen könnte.

Die antike und germanische Götterwelt, in der die Schöpfergötter nicht mehr absolute Instanzen sind und die Willensergebnisse ihrer Geschöpfe rückwirkend ihr eigenes Schicksal bestimmen, beschreiben den modernen Menschen, der von Verträgen gebunden ist und nicht mehr in die universelle Kraft seines alten Grundpotentials vorzudringen vermag. Je mehr Schöpfung um so höher die Wahrscheinlichkeit, dass die Vielzahl der Schöpfungen zur Götterdämmerung wird. Das Tragödienpotential entspricht dem Verlust der universellen Zuordnungsintelligenz.

Die Endzeitvisionen sind archetypisch in dem Zweifel verankert, dass die Menschen es selbst schaffen könnten. Mutter Natur oder die nächste Generation oder die nächste Generation wissenschaftlicher Erkenntnisse sollen es einmal schaffen. Die Schwierigkeit besteht darin, dass der idealisierte Mensch auf dem Spannungsbogen „geworden oder gemacht“ gut zuschreibbar ist, nicht aber die Position und das Schicksal seiner „gemachten“ Produkte. Der ideale Mensch ist eine wunderbare Harmonie von Wille und Willenstätigkeit. Nur, die Produkte seiner Schöpfungen entfalten eine Willenstätigkeit, die die Einheit des Lebens zu zerspanen scheinen. Spätestens seit dem Moment, in dem auch der menschliche Geist als Widerspiegelung seiner von ihm selbst geschaffenen Sphäre des Gemachten betrachtet wird, also kein idealer Mensch an sich mehr existiert, gar nicht mehr existieren kann, sind wir in einem Diskurs angekommen, der grundsätzliche Fragestellungen vernünftig impliziert wie sie seit langem nicht mehr akademisch behandelt wurden. Der Diskurs der „Götterdämmerung“ bereitet sich sein Feld und eine Dimensionalität dabei ist das Spannungsfeld zwischen Gewordenem und Gemachtem.

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