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aus-mit-als

aus: – Die Kräfte, die wir sind, sind nicht von uns initiiert oder geschaffen worden.

mit: – Wir sind Individuen, aber als solche Ausdruck einer über uns hinausgehenden Einheit. Nur diese Einheit ist Leben und Bewusstsein.

als: – Wir streben danach, mit uns einig zu sein. Das bedeutet immer die Einheit in einem höheren Sinne. Jedes Bewusstsein, das sich „als“ etwas empfindet, ist ein höheres Bewusstsein.

Die Wahrheit ist eine wechselseitige Feststellung. Es gehören immer mehrere Bewusstseine dazu, die sich gegenseitig spiegeln können auf der Plattform ihrer Einheit. Bewusstsein ist so immer nur auf der Plattform von Gemeinsamkeit möglich. Auch unser individuelles Bewusstsein, das am Morgen erwacht, ist eine Gruppenleistung. Es ist nicht die Majestät, die nach der Nacht zurück in den Palast kommt und sagt „guten Morgen meine lieben Untertanen, jetzt dürft ihr mir alle wieder dienen“, sondern das einmal mehr wieder erwachte Bewusstsein entsteht als ein „als“, als eine Form des höheren Gemeinschaftsbewusstseins. Jedes Bewusstsein entsteht in einer Form, und diese Form ist eine Art der Gemeinschaft, letztendlich immer eine Gemeinschaft des Bewusstseins. Bewusstsein ist Orientierung. Ein Demenzerkrankter, der sein Bewusstsein verliert, verliert seine Orientierung. Ein Wassermolekül kann seine Orientierung nicht verlieren, weil sein Bewusstein nicht zwischendurch schlafen geht, sondern als seine Eigenschaft immer wach ist. Das Bewusstsein, seine Orientierung und die Wachheit z.B. eines Wassermoleküls sind seine Eigenschaften. Mit denen ist es sich einig. Es ist diese Eigenschaften, als diese Eigenschaften. Gleichzeitig sind diese Eigenschaften aber Emanationen, etwas aus tieferen Formen Hervorstrahlendes, Hindurchwirkendes. Dieses aus tieferen Strukturen Hindurchwirkende, das, die Eigenschaften z.B. des Wassermoleküls Hervorbringende, sind die Formen oder anders ausgedrückt, die Elemente, aus denen das Wassermolekül wiederum aufgebaut ist. Die Gemeinschaft dieser Elemente schafft eine Wasserform mit einem neuen Bewusstsein, das vorher so in keiner anderen Form erwachen konnte. Wird die Form des Wassers zerstört, verliert es auch sein Bewusstsein, d.h. es verliert die Eigenschaften, mit denen es einig ist. So ist es auch mit dem Menschen. Wenn dieser seine spezielle Form verliert, als die er bewusst ist, verliert er auch sein Bewusstsein. Das ist bei der Demenzerkrankung so und bei jeder Form der Traumatisierung. Die Information der Einheit kann nicht mehr ausgelesen werden, weil die Form, die diese Information begreifen kann, nicht mehr existiert.

Die Verschränktheit der Dimensionen der Dreieinigkeit

In der Dreieinigkeit sind die Dimensionen ähnlich miteinander verschränkt wie in der Dreidimensionalität. Wenn sich eine Koordinate einer Dimension ändert, dann ändern sich die Koordinaten der beiden anderen Dimensionen unmittelbar mit.

So ist dies bei der Dreieinigkeit des wachen gegenwärtigen Icherlebens auch. In einer vereinfachten Darstellung benötigt das wache gegenwärtige Icherleben drei Dimensionen, drei Kategorien von Informationen:

– AUS – Existenz der Gemeinschaft
Die erste Dimension ist die Existenzdimension. Sie baut in den Dreieinigkeitsraum die Information ein, warum man existiert. Dies ist im einfachsten Fall die Erinnerung daran, dass man im letzten Augenblick auch schon existiert hat. Es ist das Erleben des Flusses der Existenz innerhalb der Transitivität (Übergänglichkeit) des Icherlebens. Vereinfacht ausgedrückt, erhält das Icherleben die Bestätigung seiner Existenz durch die ständige ununterbrochene Reihe von Erinnerungen. Diese Erinnerung ist eine ununterbrochene Kette.

– MIT – Was zur Gemeinschaft zählt
Die zweite Dimension der Dreieinigkeit, die Gemeinschaftsdimension, baut in die Dreieinigkeit die Information darüber ein, was zur Gemeinschaft zählt. Die zweite Dimension ist die Vielheit, die das Ich repräsentiert. Das Ich kann nur dann sein, wenn es mit der Existenzkomponente als Repräsentant einer Vielheit verknüpft ist. Da das Ich als Gemeinschaftsqualität identifiziert ist, ist es gleichzeitig Repräsentant der Existenzkomponente der Gemeinschaft, die es ist. Repräsentanz der Existenzkomponente und Identifikation als Gemeinschaftsqualität sind untrennbar miteinander verknüpft. Oder anders ausgedrückt: Das Ich ist als Gemeinschaftsqualität inspiriert, weil es die Existenz der Gemeinschaft repräsentiert.

– ALS – Die Qualtät der Gemeinschaft
Die dritte Dimension ist die Qualität der Gemeinschaft. Diese Qualität wird vom Ich als Innenperspektive erlebt. Die Innenperspektive ist gleichzeitig die Identifikation, aber die Identifikation kommt nicht ohne Innenperspektive zustande. Die Information dieser Dimension ist die Qualität. Die Qualität ist das Ergebnis der Stammesgeschichte (der Evolution), weil die Innenperspektive in einem unwillkürlichen Prozess entsteht, in dem verschiedene neurobiologische Prozesse in eine Gemeinschaftsqualität hinein streben. Das Icherleben ist die höchste Qualität der Einheit der Lebensprozesse eines Organismus.

Alle drei Dimensionen der Dreieinigkeit sind nicht voneinander zu trennen. Ihre Informationen werden wirksam im Zusammenwirken. Verändert sich die Information einer der drei Dimensionen, verändern sich die Informationen der anderen beiden Informationen gleichzeitig mit. Die Dimensionen und ihre Informationen sind miteinander verschränkt. Deshalb ist die Dreieinigkeit ein Raum (besser: Raumzeit), in dem das wache gegenwärtige Ich inspiriert und transitiv in Form der identifizierenden Innenschau repräsentierend als Qualität der Einheit der Lebensprozesse des Organismus in seiner Mitwelt erlebt wird.

Waches gegenwärtiges Icherleben, Transitivität, Gemeinschaftsqualität, Identifikation, Repräsentanz, Inspiration, Existenz. Das sind die Stichworte, die im Verständnis der Dreieinigkeit miteinander verknüpft sind.

Die Qualität der Einheit, die im Icherleben repräsentiert ist, kann variieren. Die Qualität kann sich aber nicht selbst unterschreiten. Wenn dies geschieht, dann fragmentiert das Icherleben und zieht sich auf diejenige Komponente zurück, die die Qualität noch aufrechterhalten kann. Das Ergebnis ist oft ein disfunktionaler Lebensstil, der die eigenen Lebensressourcen aufbraucht.

Der Unterschied zwischen starken und schwachen Existenzereignissen und deren Einfluss auf die Dreieinigkeit entsteht aus der Kraft der starken Existenzereignisse, einem Ich seine bisherige Identifikation und Repräsentanz streitig zu machen. Isolierte Existenzereignisse können deshalb eine starke Fragmentations- oder „Spreng“-Kraft besitzen, weil sie eine umfassendere Existenz ad absurdum führen können. Die umfassendste Dreieinigkeit, „ich bin aus der Quelle jedes Menschlichen, zusammen mit allem, was aus der Quelle des Menschlichen als menschliches Leben existiert“, bricht im Angesicht von Demütigungen, Gesichtsverlusten und äußeren Degradierungen zusammen. Der Satz, „nenne mir ein menschliches Potential, und ich bin es“, stimmt dann nicht mehr.

Dieser Satz stimmt auch dann nicht, wenn die familiäre Herkunft verletzt ist, wenn also die persönliche Herkunftsquelle nicht mehr die Quelle für das Potential der Menschheit sein kann, weil in den vorherigen Generationen Fragmentationen stattgefunden haben. Daraus ergeben sich die Verpflichtungen der Nachgeborenen, eine Heilung zu schaffen. Die Nachgeborenen arbeiten auf ihr volles Potential zu, ohne den fragmentierten Dreieinigkeitsraum ihrer Familie verlassen zu können. Für die Nachgeborenen dieser Familie ist zum vollen Potential der Menschheit, die Heilung der Fragmentierung der familiären Dreieinigkeit hinzu gekommen. Die Heilung geschieht über das Ich. „Ich bin es, der das Erbe zum vollen Potential des Menschseins und die Überwindung der Fragmentation unserer familiären Dreieinigkeit darin geerbt hat.“ Verpflichtung und Hingabe an die Überwindung des existentiell geschädigten familiären Schicksals tauchen meistens erst ab der Enkelgeneration auf. Die erste und zweite Generation richten ihr Heilungsbemühen nach Innen in die fragmentierte Dreieinigkeit, um die Existenz zu sichern. Die nächsten Generationen gehen dagegen existentielle Risiken ein, um zu beweisen, dass es auch anders geht. Die schwersten Schicksale erleiden diejenigen Familienmitglieder, die zwischen diesen extremen Heilungsbemühungen stehen. Sie erleben in immer wieder neuen Formen die existentielle Fragmentierung als Reaktivierung in sich.

Die Dreieinigkeit führt mit der Identifikation notwendig auch zur Repräsentanz. Weil das Icherleben, das als Qualität im Raum der Dreieinigkeit transitiv ist, sich ständig im Übergang befindet, ist die Personhaftigkeit immer mit einer Identifikation verbunden, die auch repräsentiert werden muss.

Die philosophische Analyse von aus-mit-als

Das wache gegenwärtige Ichbewusstsein ist eine Gemeinschaftsqualität neurobiologischer Prozesse. Die Qualität entsteht, weil sich die Teile der Gemeinschaft in dieser Qualität wiederfinden wollen. Die Qualität ist sozusagen ein unverabredeter Treffpunkt, der immer wieder neu zustande kommt und die Gemeinschaft in einer Gegenwart zentriert. Wie ein Lichtfokus, der weiter wandert und dabei alles in diesem Fokus beisammen hält, das in diesem Licht bleiben will. Die Gegenwartsempfindung ist so die höchste Qualität der aufeinander zuarbeitenden neurobiologischen Prozesse. Aus der Gegenwart fließt der Gemeinschaft dieser Prozesse Gemeinschaftsqualität zu.

Da das wache gegenwärtige Ichbewusstsein transitiv ist (ständig im Übergang befindlich), muss es in seinen Eigenschaften denen von Raum und Zeit entsprechen. Ein waches gegenwärtiges Ichbewusstsein ist ohne festen Bezug zu Raum und Zeit weder wach noch gegenwärtig. Wachheit und Gegenwärtigkeit sind in Kongruenz mit Zeit und Raum. Man kann formulieren: Das wache gegenwärtige Ichbewusstsein trägt die Eigenschaften von Raum und Zeit.

Die Zeit hat einen Fluss und der Raum hat Koordinaten. Die Zeit bewegt und im Raum gibt es Orte, bzw. Identitäten und deren Verortungen zueinander. Zeit und Raum haben ein Verhältnis zueinander. Das ist die Raumzeit. Es gibt verschiedene Raumzeiten. In einigen Raumzeiten ist fast alles immer wieder neu, bis auf kleinste Identitäten, die aber auch wieder transitiv sind. Eine Raumzeit, in der alles ständig neu ist, existiert nicht. Die Raumzeit entsteht in dem Moment wo es auch Identitäten gibt. Die Raumzeit ist das Ergebnis der Identität. Jede Identität ist, genauso wie das wache gegenwärtige Ichbewusstsein, transitiv. Jede Identität befindet sich in einem Übergang. Es gibt keinen Stillstand. So wie es in einer Bewegung keinen Stillstand gibt, sondern immer ständig ein Fortschreiten in Raum und Zeit. Man kann sich die Bewegung mikroskopisch anschauen. In jedem noch so kleinen Abschnitt wird es eine Bewegung, das heißt ein Fortschreiten in Raum und Zeit geben. Es gibt Identitäten ohne Transitivität, weil sie am absoluten Nullpunkt eingeschlossen sind, aber auch ein Einschluss wird nicht ewig existieren.

Eine Identität ist also etwas Besonderes. Sie befindet sich selbst auch im Übergang, aber im Übergang zu sich selbst. Das Erleben, jemand zu sein, ist auch so eine Identität im Übergang zu sich selbst. Dieses Erleben ist, wie jede Identität, in Kongruenz mit seiner Raumzeit. Es trägt die Eigenschaften von Raum und Zeit. Oder umgekehrt: Die Raumzeit des Icherlebens ist eine Abbildung seiner Identitätseigenschaften.

Die Identitätseigenschaften, d.h. die Eigenschaften der Transitivität (der Übergänglichkeit) des wachen gegenwärtigen Icherlebens sind die Rückbindung an das, was vorher war, die Einbindung einer Vielheit zu einer Einheit (Homogenität) und das Empfinden dieser Kontinuität und Homogenität zusammen als Qualität. Diese Qualität, die über die Erfüllung der Identitätseigenschaften zustande kommt, wird als spezifische Raumzeit empfunden. Das, was empfunden wird, ist das wache, gegenwärtige und dreieinige Icherleben, das Gegenwartsempfinden. Kontinuität und Homogenität bei gleichzeitiger Qualität ergeben die Dreieinigkeit.

Kommt zum Gegenwartsempfinden ein aktives Element hinzu, wenn, entsprechend den Qualitätserwartungen, Kontinuität und Homogenität aktiv hergestellt werden, dann erhalten wir das Gegenwartsempfinden eines freien schöpferischen Ichs.

Die Bestätigung und Bekräftigung seiner Gemeinschaft, dessen Qualität es ist, verschafft dem Ich den Status, selbst das Agens zu sein, das dies alles in einer Raumzeit zusammenbringt, dass es ausschließlich alleine und exklusiv in seiner persönlichen Gegenwart lebt. Die Dreieinigkeit ist ein Raum (genauer: eine Raumzeit), die jeder Mensch exklusiv alleine bewohnt. Dies ist eines der entscheidenden konstitutionellen Merkmale für die Personhaftigkeit. Die Personhaftigkeit kann zusammenbrechen, wenn die Dreieinigkeit insgesamt oder in Teilen unvollständig informiert ist.

Selbst eine Raumzeit zu schaffen. Das ist das Besondere der Identität des menschlichen Gegenwartsbewusstseins. Das Empfinden dieser Raumzeit ist deren Erschaffung. Der Moment des immer wieder neuen Icherlebens ist das Empfinden seiner Raumzeit. Oder umgekehrt: Die Raumzeit des Icherlebens ist das Empfinden der Kongruenz von Existenzherkunft, Gemeinschaft und Qualität.

Dies führt nicht nur zu einem ausgeglichenen glücklichen Leben. Die gleichen Mechanismen, die zum Glück führen, können auch perseverierende Aufprägungen hervorbringen, die auf Existenzbedrohungen reagiert haben und diese weiterführen.

Anmerkung Personhaftigkeit

Was ist Personhaftigkeit?

Personhaftigkeit bedeutet nicht Persönlichkeit, tieferes Wesen oder Seele, sondern „Person“ inmitten personalen Austauschs. Die Personhaftigkeit beschreibt die Möglichkeit Person zu sein. Die Personhaftigkeit prägt die Persönlichkeit, aber sie ist nicht die Persönlichkeit selbst. Die Personhaftigkeit ist auch nicht das umfassende personale Potential. Sondern das Tor durch das sich dieses in unsere menschliche Welt des Miteinanders hineinbringt. Die Personhaftigkeit ist eine Voraussetzung, die wir nicht schaffen, sondern die uns mitgegeben ist.

Grundsätzliches zur Dreieinigkeit

Grundsätzliches zur Dreieinigkeit

Die Dreieinigkeit ist für mich etwas grundsätzliches, nicht nur eine Metapher für Zusammenhalt und Integrität. Der Orientierungsrahmen der Dreieinigkeit ist gleich zu setzen mit den drei Raumdimensionen. Werden diese nicht ständig in irgendeiner Form verarbeitet und aufeinander bezogen, dann strauchelt die Person. Ähnlich wie bei der Gleichgewichtsstörung, verliert die Person bei einer Störung der Dreieinigkeit ihren festen Boden unter den Füßen. Dreieinigkeit ist eine Notwendigkeit, so wie die Orientierung im Raum eine Notwendigkeit ist.

Ob eine Person mit der Störung der Dreieinigkeit auch ihre persönliche Heimat verliert, ist eine offene Frage. Schließlich verliert eine Person auch nicht ihre Integrität oder Identität, wenn sie sich aufgrund von Schwindel nicht mehr weiter tasten kann. Was die Person in dem einen wie in dem anderen Fall verliert, ist ihre Fähigkeit, sich durch Veränderungen hindurch zu bewegen. Die Bewegung durch einen Raum ist die Bewegung durch sich verändernde Raumbeziehungen hindurch.

Bewegung ist grundsätzlich eine ständige Veränderung von Beziehungen. Die Veränderung der Raumlage ist die Veränderung grundlegender Beziehungen zum dreidimensionalen Raum. Entsprechend stellt sich die Frage zur Dreieinigkeit: Welches sind die grundlegenden Raumkoordinaten der Dreieinigkeit? Wie sieht der Raum aus, in dem die Dreieinigkeit eine Notwendigkeit ist?

Es geht um den Weg von Geburt bis Tod. Das ist der Raum, um den es bei der Dreieinigkeit geht. Eine Person wird, bleibt und vergeht. Das findet in einem Rahmen statt, der die Person Person bleiben lässt. Die Koordinaten der Dreieinigkeit sagen etwas über die grundsätzlichen Existenzbedingungen in diesem Raum aus. Sie sagen nicht, ob die Person genug zu essen oder zu trinken hat, sondern ob seine Personhaftigkeit grundsätzlich weiter möglich ist.

Dreieinigkeit = aus – mit – als

Dreieinigkeit = „aus-mit-als“

Wir als bewusste Personen empfinden uns als Einheiten in der Vielheit. Dieses Verhältnis erleben wir bereits in unserem eigenen Selbst. Gedanken und Körpersignale sind umfassender als das Fassungsvermögen unseres Bewusstseinsfokus. Desweiteren ist es die Vielheit der belebten und unbelebten Umgebung unserer Person, von der wir uns abgegrenzt erleben oder gleichzeitig abgegrenzt und identifiziert sind. Die Vielheit unseres Wissensuniversums ist zusätzlich in das alles kognitiv komplex eingewoben. Eine Grenze zwischen unserem wachen, gegenwärtigen Icherleben und unserer Mitwelt ist nicht zu benennen, weil sie fließend ist. Das Erleben des Menschen, seine Körperlichkeit, seine soziale und dingliche Umgebung und sein Wissensuniversum bilden in einem dynamischen Komplex ein Amalgam, in dem das Selbst dynamisch eine Gestalt annimmt. Innerhalb des Selbst erleben wir uns als waches, gegenwärtiges Ich. Das Selbst ist die Gesamtheit unserer Empfindungen, die wir als „wir selbst“ empfinden würden, wären wir in der Lage, unser Selbst in einer ungeteilten bewussten Empfindung als Einheit zu empfinden. Das Selbst ist der Raum, in dem die Instanz lebt, die sowohl bewusst wie unbewusst ist. Wäre diese Instanz nur bewusst, wäre sie identisch mit dem Selbst. Wir als teilbewusste Personen empfinden uns fließend innerhalb des Selbst, welches wiederum fließend zur Mitwelt abgegrenzt ist, als Einheiten in der Vielheit.

Wir kommen täglich aus einer Sphäre, die wir nicht einsehen und nicht verstehen können. Unser Selbst erwacht am Morgen nach dem Schlaf in etwas hinein, das weit über uns hinaus geht. Das, was uns im Folgenden stützt und sein lässt, ist dem wachen Wollen unseres Alltags unzugänglich. Der unwillkürliche Apparat der Ausführung steht uns, wenn wir gesund sind, in dem Moment, in dem wir Wollen schon zur Verfügung. Das schöpferische Bewusstsein wähnt sich als Meister, aber eine andere Form der schöpferischen Intelligenz ist immer schon da und macht die Leistungen möglich, ganz diskret und ohne Einforderung einer Mitautorenschaft.

Auch unsere physische und psychische Geburt am Anfang unseres Lebens findet ohne unser personifiziertes schöpferisch intelligentes Bewusstsein statt. Unser Leben ist von der Empfängnis an Bewusstsein, aber das ist zuerst ein Bewusstsein anderer Art, ein Bewusstsein des Lebenskontextes. Das Ich-Bewusstsein, das in den ersten Lebensjahren erwacht, ist noch besonders vom Lebenskontext geprägt. Die Lebensprozesse und die Prozesse der Krisenbewältigung nehmen einen großen Teil ein. Kleine Kinder wissen um ihre Abhängigkeit.

Wenn mit dem Abschluss unserer physischen Reifung unsere Existenz vollzogen ist, ist das ein Triumph. Unser schöpferisch intelligentes Ich-Bewusstsein triumphiert dann auch über seinen Lebenskontext. Dies ist eine kritische Zeit des Gegeneinanders von Lebensressource und Triumph des Ichs. Nicht ohne Grund ist die Selbstmordrate unter männlichen Jugendlichen die höchste überhaupt.

Unsere eigentliche Reife ist die Harmonisierung von dem was uns möglich ist mit dem was uns zugänglich ist und dies sowohl als Agenten, wie als Ressource des eigenen Lebens. Reife des Lebens bedeutet die Fähigkeit, über den Lebenskontext zu verfügen, ohne ihn zu zerstören. Wenn wir die selbstmörderischen Spitzen der Adoleszenz überleben wollen, müssen wir unseren Lebenskontext verstanden haben, und das heißt, den Lebenskontext nutzen, ihn pflegen und am Leben erhalten aus unserer eigenen schöpferischen Intelligenz heraus in gleichzeitiger Anerkennung der Intelligenz des ausführenden Apparats. Dies ist die Aufgabe, die zu meistern uns als Menschheit als Ganzes jetzt gegenüber steht. Wir müssen „als das alles“ werden in Anerkennung des Universums an Unterstützung in das hinein wir bei unserer Geburt wie an jedem Morgen erwachen.

Die philosophische Kernaussage der Dreieinigkeit

Die philosophische Kernaussage derjenigen Dreieinigkeit, für die ich mich hier interessiere

Wir als bewusste Personen empfinden uns als Einheiten in der Vielheit. Dieses Verhältnis erleben wir bereits in unserem eigenen Selbst. Gedanken und Körpersignale sind umfassender als das Fassungsvermögen unseres Bewusstseinsfokus. Desweiteren ist es die Vielheit der belebten und unbelebten Umgebung unserer Person, von der wir uns abgegrenzt erleben oder gleichzeitig abgegrenzt und identifiziert sind. Die Vielheit unseres Wissensuniversums ist zusätzlich in das alles kognitiv komplex eingewoben. Eine Grenze zwischen unserem wachen, gegenwärtigen Icherleben und unserer Mitwelt ist nicht zu benennen, weil sie fließend ist. Das Erleben des Menschen, seine Körperlichkeit, seine soziale und dingliche Umgebung und sein Wissensuniversum bilden in einem dynamischen Komplex ein Amalgam, in dem das Selbst dynamisch eine Gestalt annimmt. Innerhalb des Selbst erleben wir uns als waches, gegenwärtiges Ich. Das Selbst ist die Gesamtheit unserer Empfindungen, die wir als „wir selbst“ empfinden würden, wären wir in der Lage, unser Selbst in einer ungeteilten, bewussten Empfindung als Einheit zu empfinden. Das Selbst ist der Raum, in dem die Instanz lebt, die sowohl bewusst wie unbewusst ist. Wäre diese Instanz voll bewusst, wäre sie identisch mit dem Selbst. Wir als teilbewusste Personen empfinden uns fließend innerhalb des Selbst, welches wiederum fließend zur Mitwelt abgegrenzt ist, als Einheiten in der Vielheit.

Die personale Empfindung „jemand zu sein“, erwacht als Inspiration in unserem Selbst. Diese Inspiration stellt sich zu Beginn unseres Lebens, in jedem Erwachen und wahrscheinlich ständig neu während unseres Tagesbewusstseins ein. Inspiration meint, dass sich etwas Essentielles für unser personales Empfinden einstellt, in uns erwacht, welches kein physisches Korrelat zu besitzen scheint, obwohl verschiedene physische Korrelate dabei essentielle Zuträger sind.

Hinsichtlich der Inspiriertheit des personalen Ich-Erlebens ergeben sich dafür, als mitgegeben und eingeboren, nicht nur die Kategorien Raum und Zeit, sondern, weiter gefasst, ein Raum mit den drei Dimensionen „aus“, „mit“ und „als“. AUS, MIT und ALS bilden zusammen ein Amalgam, eine Dreieinigkeit, das wiederum ein Amalgam schafft, so wie der dreidimensionale Raum den menschlichen Tanz dreidimensional bindet. Anders ausgedrückt: So wie der menschliche Tanz an die drei Raumdimensionen gebunden ist, entsteht die Inspiration zum bewussten Erleben, „jemand zu sein“, gebunden an die Dreieinigkeit der Dimensionen „aus“, „mit“ und „als“. Die Inspiration, jemand zu sein, geschieht in dieser Dreieinigkeit.

Der kognitive Raum, in dem die Qualität, „jemand zu sein“, inspiriert entsteht, hat drei Dimensionen. Die vereinigende Qualität, jemand zu sein, ist über drei Koordinaten in diesem Raum verankert. Diese Dimensionen sind „aus“, „mit“ und „als“. Im Umkehrschluss heißt dies, dass, wenn eines oder jedes dieser Koordinaten nur schwach oder gar nicht informiert ist, nicht als hinreichende Information manifestiert ist, dann ist die Qualität, „jemand zu sein“, nur schwach ausgeprägt oder kommt gar nicht zustande oder ist gebunden an Umstände, die in unser Selbst inkorporiert werden müssen.

Das Bewusstsein, jemand zu sein, ist eine Qualität einer Gemeinschaft, ohne die diese Qualität nicht existierte. Die Gemeinschaft ist die des Körpers, des Selbst, der Mitwelt und der Stammesherkunft. So lange, wie es ein „aus“, „mit“ und „als“ gibt, existiert die Gemeinschaftsqualität, „jemand zu sein“. „Aus“, „mit“ und „als“ sind in diesem Bewusstseinsprozess Informationen, die miteinander verwoben sind. Sie bilden ein Amalgam in Form einer Dreieinigkeit. Die Bewusstseinsqualität, jemand zu sein, ist nicht identisch mit den Informationen zu Herkunft (aus), Miteinander (mit) und Identifikation (als). Die Bewusstseinsqualität, jemand zu sein, ist transitiv und besteht innerhalb des kognitiven ausmitals-Raums so lange, wie die Informationen zu „aus“, „mit“ und „als“ gemeinsam eine Gestalt ergeben. Die Bewusstseinsqualität, jemand zu sein, ist die gemeinsame Gestalt, die sich aus den Informationen von „aus“, „mit“ und „als“ ergibt. Ob sich daraus eine Gestalt ergibt, ist abhängig von den biografischen und stammesgeschichtlichen Erfahrungen der Person. Die Erfahrungen des Existierens, der Existenzbedrohung und der Existenzauslöschung spielen hier eine Rolle.

Erläuterung

Es existiert körperlich offensichtlich kein isoliertes Organ und kein spezifischer, umgrenzter Gehirnbereich, die für das verantwortlich sind, das wir waches, selbstbewusstes Icherleben nennen. Es existiert offensichtlich kein physischer Bereich in uns, der zwar immer wieder einmal schläft, gelegentlich träumerisch abwesend oder in Aktivitäten selbstvergessen versunken ist, dann aber wieder stark wie ein Leuchtturm uns wach in unsere Mitte zieht und das ausleuchtet, was wir sind. So erleben wir es ja. Nur gibt es dafür offensichtlich kein isoliert spezifisches physisches Korrelat in uns. Es gibt in uns nicht diesen einen zentralen Leuchtturm. Dass unser Gehirn und unser Körper insgesamt daran beteiligt sind, darin besteht kein Zweifel. Nur, das höchste unserer Güter, unsere eigene wahrhaftige Gegenwart in uns, scheint als besondere Qualität in unserer Gemeinschaft, die wir sind, nicht nur auf einer Lampe aufzuleuchten, sondern auf vielen. Viele Lampen, aber eine Qualität. Wir sind dann alles das, wozu wir in der Lage sind, eine Innenperspektive zu erleben, konzentriert in einer Qualität unseres Bewusstseins, die für uns die wahrhaftigste Gegenwartsempfindung nicht nur bedeutet, sondern ist, ganz einfach „ist“. Wie dies zustande kommt, kann man als dynamische Zusammenarbeit verschiedener, verteilt zusammenarbeitender physischer Korrelate neurobiologisch erklären. Die Bereiche des höheren Bewusstseins und ihr Funktionieren innerhalb der Gesamtdynamik des Gehirns und des Körpers insgesamt sind gut aufgeklärt. Das Bild, das sich ergibt, ist das eines Gehirns, welches hochkomplex und hochdynamisch plastisch auf Qualitäten zuarbeitet. Die höchste Qualität, auf die unser menschliches Gehirn zuarbeitet, ist das wache, selbstbewusste Icherleben innerhalb einer als wahrhaftig empfundenen Gegenwart. Das Herstellen dieser Qualität ist innerhalb des Körpers und des Gehirns eine Gemeinschaftsleistung und nicht das Ergebnis einer isolierten Spezialfunktion. Diese höchste Qualität wird inspiriert auf einer Basis myriadenhaften Eingebundenseins in eine Gegenwart des Milliarden Jahre alten Stammesbewusstseins und einer noch älteren Mitwelt. Alter bedeutet hier: Weitergabe von Qualität und Gegenwart von Augenblick zu Augenblick in Raum und Zeit. Es geht um die Weitergabe von Qualitäten, die sowohl Träger wie Hersteller dieser Qualitäten sind. Auf diese Qualitäten zu sind die Myriaden von Körperzellen hin koordiniert, die wir als Qualität gemeinsam sind. Die höchste vereinigende Qualität dieses Gemeinschaftswesens ist das eine wache, selbstbewusste Icherleben in einer als wahrhaftig empfundenen Gegenwart. Dies alles führt zu dem Erleben, „jemand zu sein“.

Der verteilte, dynamisch zusammenarbeitende Prozess in unserem Gehirn erschafft einen kognitiven Raum, in dem wir als Ich plötzlich sind, aber auch plötzlich wieder verschwinden können, wenn wir einschlafen oder ohnmächtig werden. Wenn wir aus dem Schlaf oder der Ohnmacht wieder aufwachen, kommen wir in eine Gegenwart zurück, die wir kennen, in der wir uns erkennen und auskennen. Wir kommen aus etwas, das wir als schon vor unserer erneuten Bewusstwerdung als existierend gewesen annehmen und akzeptieren. Das, woraus wir kommen, ist eine Vielheit, auf deren Details wir nacheinander unseren Bewusstseinsfokus einstellen können, ohne alles gleichzeitig erfassen zu können. Diese Vielheit ist mit uns als wir.

Der Prozess des Erwachens oder Bewusstwerdens vollzieht sich in einem zeitlichen Verlauf und einer komplexen Raumwahrnehmung. Das menschliche, gegenwärtige Wachbewusstsein ist ein Bewusstsein von Raum und Zeit. Wenn die räumliche und zeitliche Orientierung fehlen, ist kein wirklicher Wachbewusstseinszustand erreicht. Wenn sich beim Erwachen keine Informationen zur Herkunft einstellen, wenn sich also kein Gedächtnis einstellt, und wenn das wieder vorgefundene Körpererleben nicht vertraut zum Icherleben passt, und wenn die weitere räumliche Umgebung nicht zugeordnet werden kann, dann ist der erwachenden Person noch nicht ganz klar, wer sie ist. Sie ist dann noch nicht in der wach gegenwärtigen Bewusstseinsqualität, „jemand zu sein“. Es können sich Verwirrtheitszustände und starker Stress einstellen, verbunden mit Ängsten und Aggression.

Was sind Dreieinigkeit und Personhaftigkeit?

Was ist diejenige Dreieinigkeit, für die ich mich hier interessiere?

Dreieinigkeit ist eine Eigenschaft unserer Personhaftigkeit. Person sind wir in einem Kontext. Die Dimensionen dieses Kontextes sind -aus-, -mit-, -als-. Der Kontext, in dem wir Person sind, ist ein Raum mit den Koordinaten -aus-mit-als-.

Unsere Personhaftigkeit ist gebunden an diesen -aus-mit-als-Raum. Die drei Koordinaten des -aus-mit-als-Raumes sind jeweils implizit ein Versprechen der anderen zwei Koordinaten, entsprechend des dreidimensionalen Raumes. Deswegen nenne ich unsere Personhaftigkeit dreieinig.

So wie wir uns durch die Verarbeitung der drei Raumdimensionen sicher als eine integre Einheit durch eine Vielzahl von Raumbeziehungen bewegen können, so bewegen wir uns durch unseren menschlichen Raum integer, selbstverständlich und sicher, wenn die Verarbeitung der Herkunft und des Miteinanders zu einer Identifikation „als das alles“ wird. Wir erleben uns als integre, unangefochtene Person solange wir ungebrochen zu unserer Herkunft stehen, wir uns gleichzeitig ungestört im Miteinander mit allem empfinden, das aus dieser Herkunft hervorging und uns ebenfalls gleichzeitig dabei mit unserer Herkunft und unserem Miteinander identifizieren. Wobei mit „Herkunft“ auch die letzte Sekunde gemeint ist. Die Identifizierung führt zur Empfindung einer Einheit in der Vielheit bei einem gleichzeitig ungebrochenen Verhältnis zu dieser Vielheit. Diese Dreieinigkeit ist so die Voraussetzung für die Personhaftigkeit. Die Dreieinigkeit schafft den Raum, in dem die Person sein und werden kann, so wie die Dreidimensionalität des physischen Raumes die Voraussetzungen für den Tanz schafft, aber nicht gleichzeitig dieser Tanz ist.

Alles was existiert, existiert in einem Kontext, zu dem es selbst gehört, weil es zum Kontext von anderem gehört. Individualität und Kontext sind nicht zu trennen, weil auch die eigenen Handlungen und der eigene Körper zum Kontext der eigenen Freiheit gehört.

Die Empfindung jemand bestimmtes zu sein, ist so eine Inspiration in den Raum der Dreieinigkeit hinein. Diese Inspiration erfahren wir am Anfang unseres Lebens, wenn wir zur Persönlichkeit erwachen, und genau so an jedem neuen Tag, wenn wir aus dem Schlaf heraus bewusst werden.

In einem modernen Leben bricht die Dreieinigkeit, also derjenige Raum, in dem wir unseren persönlichen Tanz tanzen, vielfach zusammen und wird vielfach gekittet. Das Ergebnis ist eine Fragmentation. Wir sind dann Viele, je nach Kontext, und vieles passt nicht zusammen. Das Erwachen zum Bewusstsein geschieht in den Dreieinigkeitsraum hinein, wenn dies nicht geschieht bleiben wir unbewusst. Das heißt, das Potential unserer Personhaftigkeit verringert sich mit der Fragmentierung unserer Dreieinigkeit. So bleiben wir nach der Fragmentierung der Dreieinigkeit unbewusst, weil wir nicht in der Lage sind in einen umfassenden Einheitsraum hinein zum Bewusstsein inspiriert zu werden. Und es entstehen vielfältige Zwänge und scheinbare Verpflichtungen, als aus dem Unbewusstsein heraus befeuerte Versuche, einer vagen Empfindung eines größeren Zusammenhangs unseres Lebens gerecht zu werden. Dabei sind die Zwänge und vagen Versuche von den Umständen der Fragmentierungen bestimmt.

Die umfassendste Form der Dreieinigkeit ist diejenige, in die wir hineingeboren werden und in der wir aufwachsen. Es ist eine uns mitgegebene, von unserer Stammesgeschichte und unseren Eltern prästabilierte, selbstverständliche Dreieinigkeit. Es ist eine Einheit des Passungscharakters, weil unsere Sinne diejenigen Informationen verarbeiten, die für uns interessant und wichtig sind, weil unser Körper von den Nahrungsmitteln ernährt wird, die mit uns auf der Erde wachsen, weil die Luft uns selbstverständliches Lebenselexir ist und weil unsere Körperkräfte unseren Anforderungen entsprechen. Und so spiegelt sich die uns mitgegebene Einheit des Lebens ebenso in unserer sozialen Umgebung. Die Prästabilierung, die sich während unserer Stammesgeschichte auch in unserem sozialen Raum manifestiert hat, hat die Erwachsenen unserer Umgebung auf dreierlei Weise uns als Kindern gegenüber kompetent gemacht. Ohne dass wir es selber wüssten, wissen sie, was wir zum Erhalt unserer Existenz benötigen, ohne dass wir es sprachlich äußern könnten, sind die Erwachsenen Deutungskompetent und schließen aus Signalen und Umständen bis weit in unsere Pubertät hinein auf unsere Bedürfnisse, und ohne dass wir unsere Zukunft kennen, wissen die Erwachsenen in unserer Umgebung wie es mit uns gut weitergehen könnte. In einer mit Lebensressourcen gut ausgestatteten und sozial entspannten Umgebung erleben wir zwar auch immer wieder Konflikte, diese werden aber in Lernprozessen aufgelöst und führen zu einem höheren Bewusstsein der Einheit unserer Existenz. Die Dreieinigkeit einer solchen menschlichen Existenz wird wenig fragmentiert sein. Hier weben Herkunft, Miteinander und bevollmächtigte Repräsentanz einen dreieinigen Raum, in dem ein sehr weitgefasstes Bewusstsein inspiriert zum Verständnis nicht nur des eigenen Lebens, sondern der Zeitepoche aufblühen kann. Dieser Idealzustand ist bei uns keine Utopie, sondern hat sich seit Jahrzehnten wahrscheinlich vielmillionenfach so entfaltet. Wir sollten uns dieses Privileges bewusst sein.

Die stärkste Form der Fragmentierung der Dreieinigkeit ist die Existenzbedrohung. Als solche kann jede Traumatisierung empfunden werden. In ihrer stärksten Form wirkt die Existenzbedrohung in der Kinder- und Jugendzeit bei erlebter Lebensgefahr und beim Tod eines nahen Familienangehörigen. Die Fragmentierung wirkt, weil aus der dreieinigen Einheit der eigenen Lebensumstände keine Ressource zur bevollmächtigten, die Bedrohung abwendenden Handlungskompetenz zur Verfügung stand. Für die meisten Betroffenen fängt dann ein neues Leben an, nämlich das Leben nach der Existenzbedrohung. Dies geschieht dann nicht mehr nach der Formel „ich bin aus der Einheit, mit allem, was mit mir zusammen aus dieser Einheit hervorgegangen ist, als diese Einheit“, sondern „ich bin in Folge dieser Katastrophe, mit allem, was diese Katastrophe in meiner Lebensumgebung bewirkt hat, als die Folge dieser Katastrophe“. Wir können uns nicht anders als in Dreieinigkeit durch die Veränderungen unseres Lebens hindurch bewegen. Wenn die natürlich prästabilierte Kompetenz unserer Lebensumstände keine bevollmächtigte Bewältigung der Existenzbedrohung hervorbringen konnte, dann ist zukünftig die Existenzbedrohung die Kompetenz unseres Lebens.

In der Existenzbedrohung steckt sehr viel Bewusstsein (und Wissen und Kompetenz) der Lebensumgebung, aber dieses kann, aufgrund der Umstände, nicht als Inspiration in der dreieinigen Personhaftigkeit aufgehen. Bei einer Traumatisierung fragmentiert der dreieinige Fluss des Lebens zu mindestens zwei Existenzhorizonten, die beide eine Herkunft, ein Miteinander und eine Identifikation besitzen. Traumatisierung, egal in welcher Form, bedeutet immer Bewusstseinsverlust. Der Fluss des Lebens, der Passungscharakter, die aufatmende Gewissheit und Erfahrung, dass bisher aus den Tiefen der eigenen Existenz immer eine Bewältigung der Herausforderungen hervorging sind unterbrochen gewesen, und es ist eine Lücke entstanden. Weil der Zugang, zu dem was in der Lücke an Wissen zu sich selbst verborgen ist, versperrt ist, muss die Lücke als solche als Wissen um sich inkorporiert werden. Die Lücke ist Wissen, das für das persönliche Leben nicht nutzbar gemacht werden kann, das aber als essentiell zum eigenen Leben zugehörig empfunden wird.

Aufgrund der dreieinigen Struktur der Personhaftigkeit ist mit der Inkorporation der Bewusstseinslücke eine Identifikation mit dieser entstanden. Wenn die Umgebung von den Betroffenen direkt oder indirekt verlangt, doch nun das Schlimme in ihrem Leben zu vergessen und sich den positiven Kräften des Lebens erneut vertrauensvoll zu zuwenden, dann fühlen sie sich zwanghaft im starken Gravitationsfeld der Traumatisierungsumstände gefangen, weil nur über diese ein Zugang zurück zu den vertrauensvoll erlebten positiven Kräften des Lebens möglich scheint. Dies nimmt so viele Formen an wie es Betroffene gibt.

Die Fragmentierung der Dreieinigkeit wird auch kulturell und in Familien weiter gegeben. Merkmal ist immer die Identifizierung mit einer neuen Quelle des Lebens. Zu der natürlichen Quelle des Lebens, aus deren Fülle und Geborgenheit man unbewusst hervorgegangen ist, und mit der man „als das alles“ identifiziert war, ist eine neue Quelle des Lebens hinzugetreten. Diese neue Quelle des Lebens ist nun, in Folge der Existenzbedrohung, eine Quelle des Überlebens geworden. In Diktaturen und bei militärischen Konflikten ist diese Quelle des Überlebens, noch weiter eigenmacht- und eigenkompetenzberaubt, eine Quelle des gestatteten Weiterexistierens. Jede Instanz, die nach Belieben Leben nehmen oder gewähren kann, wird so zu einer pervertierten „Quelle“ der Existenz, mit deren Hervorbringungen die Betroffenen (wenn eine Traumatisierung stattfand) „als das alles“ identifiziert sind. Das heißt (wie in allen Fällen einer Fragmentierung der Dreieinigkeit), die Betroffenen existieren im Ergebnis dieses pervertierten Umstands, in Gemeinschaft mit allem, was zu diesem Umstand gehört, als dieser Umstand.

Bei kulturell und familiär weiter gegebenen Fragmentierungen der Dreieinigkeit entstehen leicht Muster der Selbstausbeutung. „Man bezahlt Leben mit Leben“. Um existieren zu können, werden die eigenen Lebensressourcen und oft zusätzlich die der Familie unverhältnismäßig stark aufgebraucht und eingesetzt oder im Extremfall umgekehrt gar nicht eingesetzt. Dies ist das unbewusste „Abzahlen“ von Schuld an das Überleben. Der Blick liegt dabei mehr auf dem „Überleben um jeden Preis“ und weniger bei den tatsächlichen Lebensressourcen.

Universelle und isolierte Gleichart

Es existieren also zwei Modalitäten der Gleichart. Im Bereich des Gewordenen ist es eine Gleichart die jeweils auf immer wieder neuen Wechselwirkungsebenen horizontal und vertikal mit der Gesamtheit des Universums synchronisiert ist. Im Bereich des Gemachten sind es vielzählige unsynchronisierte Gleicharten, die ihre Gleichart über ein isoliertes und oft fragmentiertes Bewusstsein erhalten.

Das Bewusstsein von sich selbst ist ein Begreifen der eigenen Form auf einer jeweils höheren oder niedrigeren Synchronizitätsebene. Dieses Begreifen ist ein Verstehen. Wenn eine Form sich selbst je auf der höchsten Synchronizitätsebene begreifen würde, dann schlösse sich ein Kreis.

Die von Menschen gemachten Formen begreifen sich nicht selbst. Sie werden von außen, von einer Planinstanz in ihrer Funktion begriffen.